Blauer Raum
Der Kundenraum der Hausbaulogik
Im Blauen Raum geht es nur um den Kunden – nicht abstrakt „die Industrie", sondern konkret: Wer entscheidet, wer nutzt, wer zahlt? Hier wird aus einer vagen Zielgruppe ein präzises Bild: echte Menschen mit echten Problemen. Keine Lösungen – nur die Realität der Kundenseite.
- Für wen schaffen wir Wert?
- Was treibt diese Kunden an?
- Welche Probleme wollen sie wirklich lösen?
Dieser Abschnitt liefert validierte Kundensegmente, Personas und ein tiefes Verständnis der Jobs-to-Be-Done als Grundlage für das Wertversprechen.
Vorgehensweise
1. Kundensegmente – Für wen genau schaffen wir Wert?
Bevor du Lösungen entwickelst, musst du wissen, für wen du sie entwickelst. Eine allgemeine Aussage wie „alle Fabriken" ist zu unscharf. Mit einer strukturierten Marktsegmentierung identifizierst du klare, überschneidungsfreie Kundensegmente und priorisierst diese nach Attraktivität.
Segmentierungskriterien
- Mit Beispielen
- Konzept
| Kriterium | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| Branche | Industriezweig des Kunden | Automotive, Pharma, Maschinenbau |
| Unternehmensgröße | KMU vs. Konzern | < 250 MA, 250-1000 MA, > 1000 MA |
| Anlagentyp | Art der Produktionsanlagen | Diskrete Fertigung, Prozessindustrie |
| Digitaler Reifegrad | Digitalisierungsstand | Einsteiger, Fortgeschritten, Digital Native |
| Geografie | Regionale Unterschiede | DACH, EU, Global |
| Problemdruck | Dringlichkeit des Bedarfs | Akut, Mittelfristig, Strategisch |
| Kriterium | Beschreibung |
|---|---|
| Branche | Industriezweig des Kunden |
| Unternehmensgröße | KMU vs. Konzern |
| Anlagentyp | Art der Produktionsanlagen |
| Digitaler Reifegrad | Digitalisierungsstand |
| Geografie | Regionale Unterschiede |
| Problemdruck | Dringlichkeit des Bedarfs |
Priorisierung der Segmente
Nach der Identifikation: Welches Segment ist am wichtigsten?
| Bewertungskriterium | Fragen | Gewichtung |
|---|---|---|
| Marktpotenzial | Wie groß ist das Segment? | Hoch |
| Zugänglichkeit | Haben wir bereits Kontakte? | Mittel |
| Problemdruck | Wie dringend ist der Bedarf? | Hoch |
| Zahlungsbereitschaft | Gibt es Budget für Lösungen? | Hoch |
| Fit | Passt das Segment zu unseren Stärken? | Mittel |
Am Ende solltest du 1-2 Kernsegmente priorisiert haben, auf die du dich fokussierst. Lieber ein Segment richtig verstehen als fünf oberflächlich.
2. Stakeholder-Analyse – Wer entscheidet, wer nutzt, wer zahlt?
Jetzt zoomen wir heraus: Wer ist alles beteiligt? Nicht nur „der Kunde", sondern alle Personen, die mitentscheiden oder betroffen sind. Mit dem Stakeholder Mapping visualisierst du systematisch Einfluss und Rollen aller Beteiligten - besonders wichtig bei komplexen Entscheidungsstrukturen im B2B-Umfeld.
Typische Stakeholder im B2B-Kontext
| Stakeholder | Rolle | Typische Interessen | Einfluss |
|---|---|---|---|
| Geschäftsführung | Entscheider | ROI, strategische Ausrichtung | Sehr hoch |
| Produktionsleiter | Nutzer/Influencer | Effizienz, Verfügbarkeit | Hoch |
| Instandhaltung | Nutzer | Weniger Ausfälle, einfache Prozesse | Mittel |
| Einkauf | Entscheider | Preis, Konditionen, Vergleichbarkeit | Hoch |
| IT-Abteilung | Gatekeeper | Sicherheit, Integration, Standards | Hoch |
| Betriebsrat | Influencer | Arbeitsplätze, Datenschutz | Mittel |
| Compliance | Gatekeeper | Regulatorik, Dokumentation | Mittel |
| Plattformbetreiber | Partner | Interoperabilität, Standards | Variabel |
| Datenraum-Operator | Partner | Governance, Compliance | Variabel |
Stakeholder-Matrix
Ordne jeden Stakeholder nach Einfluss und Nähe zum Problem:
| Fern vom Problem | Nah am Problem | |
|---|---|---|
| Hoher Einfluss | Informieren & überzeugen | Kern-Stakeholder |
| Niedriger Einfluss | Beobachten | Einbinden als Nutzer |
Kernfragen zur Stakeholder-Analyse
- Wer redet mit? Welche Personen sind in Gespräche involviert?
- Wer entscheidet wirklich? Wer hat Budget- und Entscheidungshoheit?
- Wer leidet am meisten? Wer hat den größten Problemdruck?
- Wer könnte blockieren? IT, Betriebsrat, Compliance?
3. Persona & Jobs, Pains, Gains – Was treibt die Kunden wirklich an?
Aus dem gewählten Kernsegment nimmst du dir eine oder mehrere beispielhafte Personen vor. Der Jobs-to-Be-Done (JTBD) Ansatz erfasst dabei nicht nur, was Kunden sagen, dass sie brauchen, sondern was sie wirklich erreichen wollen - auf funktionaler, emotionaler und sozialer Ebene. Ergänzend hilft eine Pain/Gain-Priorisierung, die wichtigsten Probleme und Wünsche nach Häufigkeit, Intensität und Lösbarkeit zu bewerten.
Persona-Template
- Mit Beispiel
- Konzept
| Element | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Name & Rolle | Fiktiver Name, Jobtitel | Christian, 48, Produktionsleiter |
| Unternehmen | Größe, Branche | Mittelständischer Maschinenbauer, 350 MA |
| Verantwortung | Wofür wird gemessen? | Stillstandszeiten, OEE, Produktionskosten |
| Tagesablauf | Typische Aufgaben | Schichtplanung, Störungsmanagement |
| Ziele | Was will erreicht werden? | Höhere Verfügbarkeit, weniger Stress |
| Frustrationen | Was nervt, blockiert? | Feuerwehr-Modus, fehlende Transparenz |
| Element | Beschreibung |
|---|---|
| Name & Rolle | Fiktiver Name, Jobtitel |
| Unternehmen | Größe, Branche |
| Verantwortung | Wofür wird gemessen? |
| Tagesablauf | Typische Aufgaben |
| Ziele | Was will erreicht werden? |
| Frustrationen | Was nervt, blockiert? |
Jobs-to-Be-Done (JTBD)
Das JTBD-Framework erfasst, was Kunden wirklich erreichen wollen - nicht was sie sagen, dass sie brauchen.
- Mit Beispiel
- Konzept
| Job-Typ | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Funktional | Welche Aufgabe soll erledigt werden? | Maschinenverfügbarkeit sicherstellen |
| Emotional | Wie möchte sich der Kunde dabei fühlen? | Sicher, in Kontrolle, nicht gestresst |
| Sozial | Wie möchte der Kunde wahrgenommen werden? | Als kompetent, innovativ, vorausschauend |
| Job-Typ | Beschreibung |
|---|---|
| Funktional | Welche Aufgabe soll erledigt werden? |
| Emotional | Wie möchte sich der Kunde dabei fühlen? |
| Sozial | Wie möchte der Kunde wahrgenommen werden? |
Kunden kaufen keine Produkte - sie „heuern" Lösungen an, um einen Job zu erledigen. Verstehe den Job, nicht das Feature.
Pains (Probleme)
Was sind die täglichen Schwierigkeiten? Was nervt?
- Mit Beispielen
- Konzept
| Pain-Kategorie | Fragen | Beispiele |
|---|---|---|
| Zeitverschwendung | Was kostet unnötig Zeit? | Manuelle Datenerfassung, Fehlersuche |
| Kostentreiber | Was verursacht hohe Kosten? | Ungeplante Stillstände, Überbestände |
| Risiken | Was fürchten Kunden? | Produktionsausfälle, Qualitätsprobleme |
| Frustrationen | Was nervt im Alltag? | Mangelnde Transparenz, Feuerwehr-Modus |
| Blocker | Was verhindert Erfolg? | Fehlende Daten, IT/OT-Komplexität |
| Pain-Kategorie | Fragen |
|---|---|
| Zeitverschwendung | Was kostet unnötig Zeit? |
| Kostentreiber | Was verursacht hohe Kosten? |
| Risiken | Was fürchten Kunden? |
| Frustrationen | Was nervt im Alltag? |
| Blocker | Was verhindert Erfolg? |
Gains (Nutzen)
Was wäre für den Kunden ein echter Gewinn?
- Mit Beispielen
- Konzept
| Gain-Kategorie | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| Erforderlich | Muss mindestens erfüllt sein | Zuverlässigkeit, Datensicherheit |
| Erwartet | Wird standardmäßig vorausgesetzt | Benutzerfreundlichkeit, Support |
| Gewünscht | Echter Mehrwert | Proaktive Warnungen, bessere Planbarkeit |
| Unerwartet | Würde begeistern | KI-Empfehlungen, automatische Optimierung |
| Gain-Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Erforderlich | Muss mindestens erfüllt sein |
| Erwartet | Wird standardmäßig vorausgesetzt |
| Gewünscht | Echter Mehrwert |
| Unerwartet | Würde begeistern |
Priorisierung
Nicht alle Pains und Gains sind gleich wichtig:
| Kriterium | Beschreibung |
|---|---|
| Häufigkeit | Wie oft tritt das Problem auf? |
| Intensität | Wie stark ist der Schmerz (Zeit, Geld, Nerven)? |
| Lösbarkeit | Können wir das Problem adressieren? |
| Zahlungsbereitschaft | Würde der Kunde dafür zahlen? |